Ist Sitzen "nur" das neue Rauchen?

„Die Deutschen sind Sitzenbleiber“. So äußerte sich Professor Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln bei der Vorstellung des DKV-Berichts zur Gesundheit der Deutschen 2015. Ein durchschnittlicher Deutscher sitzt laut dieser Befragungsstudie 7 ½ Stunden am Tag – ob am Schreibtisch, im Auto oder vorm Fernseher.

Mit dem mesana Gesundheits-Check wurde die Alltagsaktivität von über 1000 Mitarbeitern über jeweils zwei Tage aufgezeichnet. Bei der Auswertung werden die Aktivitätsklassen inaktiv (d.h. Sitzen oder Stehen), niedrige oder hohe Aktivität unterschieden: Im Durchschnitt sind wir 13,3 Stunden am Tag inaktiv, d.h. stehend oder sitzend.

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Aktivitätsverteilung von über 1000 48h mesana Gesundheits-Checks
13,3h
inaktiv
8,9h
liegend
1,8h
Aktiv

Inaktivität berücksichtigt auch stehende Phasen. Das ist relevant, weil es Indizien gibt, dass Menschen mit einem überwiegend stehenden Arbeitsprofil gegenüber Menschen mit überwiegend sitzendem Arbeitsprofil ein doppelt so hohes Risiko aufweisen eine kardiovaskuläre Erkrankung zu entwickeln [8].

Sitzzeiten von über 23 Stunden pro Woche verglichen mit 11 Stunden pro Woche (zusätzliche Sitzzeiten neben Arbeitsalltag) steigern das Risiko in Folge einer kardiovaskulären Erkrankung zu sterben um 64% [1]. Das stundenlange Sitzen ist deshalb so kritisch, weil es schleichend aber stetig zu Gesundheitsrisiken führt. Aktuelle Studien zeigten signifikante Zusammenhänge zwischen Sitzzeiten und Gesamtmortalität auf – unabhängig von anderen Faktoren wie körperlicher Aktivität, Rauchverhalten oder dem BMI [2, 3, 4]. Schon zwei Stunden längeres Sitzen täglich, wie zum Beispiel abends vorm Fernseher, schwächt das Herz-Kreislauf-System und steigert Risikoindikatoren wie 12% höhere Blutfettwerte und einen 3% höheren BMI [5, 6, 7]. Sogar psychische Erkrankungen werden durch die fehlende Bewegung begünstigt, da Stresshormone nicht so gut abgebaut werden können. So zeigen diejenigen, die mehr als 42 Stunden pro Woche saßen ein um 31% erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen [6].

Wer dagegen weniger als die Hälfte seines Tages sitzend verbringt, hat im Schnitt eine signifikant geringere Gesamtmortalität bzw. Sterblichkeitsrate infolge kardiovaskulärer Erkrankungen als diejenigen, die mehr als die Hälfte ihres Tages sitzen [9]. Bereits zwei Stunden Sitzen am Tag durch Stehen zu ersetzen, hat positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-System [10]. Am Arbeitsplatz könnten Telefonate und Meetings im Stehen gehalten und Stehtische eingeführt werden, um die Stehzeiten im Arbeitsalltag zu fördern [11]. Während körperliche Aktivität allgemein die gesundheitlichen Schäden durch langes Sitzen nicht vollständig ausgleichen kann, so sind die Ausmaße der gesundheitsschädlichen Folgen für körperlich sehr aktive Menschen geringer. Erheblichen Einfluss dagegen hat körperliche Aktivität, wenn sie Sitzzeiten unterbricht oder ersetzt. Regelmäßiges Aufstehen und Bewegung während längeren Sitzzeiten und mindestens 150 Minuten pro Woche sportliche Betätigung verbessern kardiometabolischen Biomarkern messbar [12, 13].

Eine weitere Möglichkeit mehr körperliche Aktivität in den Alltag einzubauen, ist mit dem Rad statt mit dem Auto zur Arbeit zu pendeln. Tägliches Radfahren zur Arbeit senkt die allgemeine Sterblichkeitsrate, selbst unter körperlich sehr aktiven Menschen [14]. Dabei spielt die Intensität des Radfahrens eine untergeordnete Rolle. Blutwerte, Blutdruck, geistige Gesundheit und körperliche Fitness verbessern sich merklich, wenn das Radpendeln zur Gewohnheit wird [15, 16]. Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, der kann sich angewöhnen das Auto nicht auf dem Firmenparkplatz, sondern ein paar Blocks entfernt zu parken oder eine Haltestelle früher auszusteigen und den restlichen Weg zu laufen.

Der mesana Gesundheits-Check misst ortsunabhängig Aktivitäts- und Inaktivitätsphasen und gibt detaillierten Einblick in das tägliche Bewegungsmuster. Im persönlichen Gespräch können Möglichkeiten zur aktiveren Gestaltung des (Arbeits-)Alltages gemeinsam erarbeitet werden, um so den gesundheitsschädlichen Folgen des langen Sitzens vorzubeugen.

Möchten Sie mehr über mesana erfahren oder haben Interesse an einem gemeinsamen Projekt? Nehmen Sie jetzt Kontakt mit uns auf.

Literaturverweise