Wie eine Stunde Bewegung uns vor Depression schützen kann

Depressionen gehören weltweit zu den häufigsten Formen psychischer Erkrankungen. In Deutschland leiden in etwa 10% der Frauen und 6% der Männer unter Depressionen [1, 2]. Depression ist ein Oberbegriff für verschiedene Störungen der menschlichen Gemütslage. Die Hauptsymptome sind Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Interessenverlust sowie Energie- und Antriebslosigkeit [3]. Pharmakologische Behandlungen und Psychotherapie sind nur bei circa zwei Drittel der Betroffenen langfristig wirksam [4]. Bis 2030, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO), werden Depressionen die häufigste Krankheit in den Industrienationen sein [5]. Doch so weit muss es erst gar nicht kommen, denn es gibt ein einfaches Mittel zur Prävention von Depressionen: regelmäßige, moderate Bewegung.

Kostenfaktor Depressionen – finstere Aussicht für Mensch und Wirtschaft

Die langwierigsten Ausfälle bei Arbeitnehmern, mit rund 60 Krankentagen, werden durch die sogenannten affektiven Störungen, zu welchen auch Depressionen zählen, verursacht [6]. Die damit einhergehende verminderte Produktivität depressiver Arbeitnehmer ist für den mit Abstand größten volkswirtschaftlichen Schaden bei deutschen Unternehmen verantwortlich. Schätzungen zu Folge belaufen sich die indirekten jährlichen Kosten auf 15 bis 22 Milliarden Euro. Das macht fast 1% der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands aus [7].

Abgesehen von den finanziellen Auswirkungen, stellt Depression vor allem eine Beeinträchtigung der Lebensqualität der Betroffenen und eine seelische Belastung, auch für ihre Angehörigen, dar.

Laufen statt Medikamente? – Ausdauersport als Therapie

Die klassischen Therapieansätze für Depressionen sind pharmakologische Behandlungen und Psychotherapie. Diese weisen Rückfallquoten von circa 30% auf, weshalb alternative Therapieansätze erprobt werden. So erweist sich Ausdauertraining bei Depressionspatienten genauso wirksam wie die Behandlung durch Anti-Depressiva. Auch die Rückfallquote verringert sich bei regelmäßiger sportlicher Betätigung, im Vergleich zur klassischen Medikamenten-Therapie [8, 9, 10].

Für die hohe Effektivität von Bewegung bei der Behandlung von Depressionen sind maßgeblich zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen physiologische Wirkfaktoren, wie die verbesserte Durchblutung des Gehirns und die Veränderung des Serotonin- sowie Endorphinspiegels. Und zum anderen durch sogenannte neuroprotektive Faktoren. Beim Sport können wir einfach loslassen und mental entspannen. Die körpereigene vegetative Regulation wird durch den Wechsel aus Bewegung und Entspannung sowie der Atmung wieder ins Gleichgewicht gebracht. Auch psychologische Faktoren spielen eine bedeutsame Rolle. So wirkt sich körperliche Aktivität positiv auf die Selbstwirksamkeit, soziale Interaktionen und Teilnahme am öffentlichen Leben aus. Festgefahrene Gedankenkreise können durch aktive Bewegung durchbrochen werden [11, 12, 13].

Weniger ist mehr – körperliche Aktivität als Prävention gegen Depression

Im besten Falle kommt es trotz guter Behandlungsmöglichkeiten erst gar nicht zu einer Depression. Auch hier hilft körperliche Aktivität als vorbeugende Maßnahme. Bereits Aktivitäten von nur einer Stunde pro Woche mit niedriger Intensität, wie zum Beispiel Walken, senken das Risiko in der Zukunft an Depression zu leiden um 12%  [11, 14]. Wer sich dagegen nicht regelmäßig sportlich betätigte, hatte ein um 44% höheres Depressionsrisiko im Vergleich zu denjenigen, die mindestens eine Stunde pro Woche körperlich aktiv waren [11].

Körperliche Aktivität entpuppt sich einmal mehr als Allround-Talent in der Prävention von Krankheiten der modernen Gesellschaft.

Literaturverweise