Tatort Gesundheit - wie wir der Zuckerkrankheit zum Opfer fallen

21 Milliarden Euro. So viel Kosten verursacht Diabetes mellitus allein in Deutschland jedes Jahr, Tendenz steigend [1]. Doch fast 90 Prozent davon könnten allein durch einen gesünderen Lebensstil vermieden werden.

Der Fall: Volkskrankheit Diabetes mellitus Typ 2

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der die körpereigene Regulierung des Blutzuckerspiegels gestört ist. Glukose, welche von der Nahrung in den Blutkreislauf gelangt, kann nicht mehr in die Körperzellen aufgenommen werden. Dies führt zu Schäden an den Blutgefäßen und Nerven sowie einem stark erhöhten Risiko für Begleit- und Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenfunktionsstörungen [2, 3].

Bei rund sieben Prozent der Erwachsenen in Deutschland wurde Diabetes bereits diagnostiziert. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Diabetes-Fälle deutlich an. Besonders betroffen davon sind Frauen und Männer der unteren Bildungsschicht ab einem Alter von 45 Jahren [4, 5].

Von den rund sechs Millionen Diabetes-Fällen in Deutschland sind allerdings nur knapp über ein Prozent der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes zuzuschreiben. Der sogenannte Schwangerschaftsdiabetes macht bei den weiblichen Patienten weitere 16 Prozent aus. Die häufigste Form des Diabetes ist mit rund 90 Prozent der Fälle jedoch Typ-2-Diabetes [4, 6, 7].

Typ-2-Diabetes bedeutet nicht nur eine Einschränkung der Lebensqualität der Patienten, sondern verursacht auch fast doppelt so hohe direkte und indirekte Kosten für das Gesundheitssystem. Großen Einfluss auf die direkten Kosten haben vor allem auftretende Herzkreislaufkomplikationen, die lange Krankheitsdauer und Behandlung mit Insulin bei Typ-2-Diabetes-Patienten. Auch Unternehmen haben Mehrkosten zu tragen, da Angestellte mit Typ-2-Diabetes durchschnittlich 2,5-fach so viele Krankheitstage pro Jahr aufweisen. [8, 9] Soweit die schlechte Nachricht.

Die Täter: Übergewicht und Bewegungsmangel

Die gute Nachricht ist: die meisten Fälle von Typ-2-Diabetes ließen sich mit relativ günstigen Methoden vermeiden oder sogar heilen. Denn die größten Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes sind neben einer genetischen Veranlagung vor allem eine Kombination aus ungesunder Ernährung, Bewegungsmangel und einem daraus resultierendem Übergewicht und ungesundem Lebensstil. Besonders ein erhöhter Körperfettanteil in der Bauchregion sowie eine starke Gewichtszunahme im Alter von 25-40 Jahren erhöht das Risiko für eine spätere Typ-2-Diabetes-Erkrankung signifikant [2, 5, 10]. Auch Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, viel Sitzen und Bluthochdruck zählen zu den beeinflussbaren Risikofaktoren [3].

Epidemiologische Studien zeigten, dass rund 90 Prozent der Typ-2-Diabetes Inzidenzen den fünf Lebensstilfaktoren Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkohol und Übergewicht zugeordnet und somit durch entsprechende zu beeinflussende Faktoren verhindert bzw. verzögert werden können [3, 11, 12]. Acht von zehn Neuerkrankungen könnten bei Menschen mit moderatem Risiko für Typ-2-Diabetes durch intensive Lebensstil-Interventionen verhindert werden. Sogar bei Patienten mit einem hohem Risiko konnten allein durch Interventionen abzielend auf mehr Bewegung und gesündere Ernährung 58 Prozent der Diabetes Fälle reduziert werden [12]. Dies macht Lebensstil-Interventionen genauso effektiv wie pharmazeutischen Therapien, die oft ein Leben lang durchgeführt werden müssten [13].

Die Lösung: Ein gesundes, aktives Leben

Wenn wir so weiter machen wie bisher, erwarten Forscher bis zum Jahr 2030 einen Anstieg der Typ-2-Diabetes Fälle von 64 Prozent bei den 55- bis 74-jährigend, zwei Drittel davon allein bei Männern [4]. Hauptrisikofaktor wird dabei die zunehmende „Verfettung“ unserer Gesellschaft sein. Die Kosten für das Gesundheitssystem werden weiter steigen, noch mehr Menschen werden krankheitsbedingt am Arbeitsplatz ausfallen.

Doch jeder einzelne von uns kann etwas dagegen tun – und das kostenlos und mit vielen anderen gesundheitlichen Vorteilen, wie einem geringeren Risiko für Herzkreislauferkrankungen oder Depressionen. Besonders wenn Sie zu Menschen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes gehören (ein Besuch bei Ihrem Hausarzt gibt Aufschluss darüber), sollten Sie Ihrer Gesundheit zuliebe Ihren Lebensstil ein wenig umstellen:

Eine Gewichtsreduktion um fünf bis sieben Prozent reduziert das Risiko für Typ-2-Diabetes bereits signifikant. Tägliche moderate Bewegung für mindestens 30 Minuten sollte Teil Ihrer täglichen Routine werden, zum Beispiel ein Spaziergang in der Mittagspause. Statt einer frustrierenden Crash-Diät verspricht eine langfristige Ernährungsumstellung mehr Erfolg. Bauen Sie viel Gemüse und ballaststoffreiche Nahrung wie Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte in Ihre Mahlzeiten ein, achten Sie darauf, dass Ihre tägliche Ernährung maximal 30% Fettanteil enthält und verzichten Sie auf Softdrinks. Sollten Sie rauchen, haben Sie nun noch einen Grund mehr aufzuhören – das gesparte Geld können Sie stattdessen in einen Kaffee investieren, denn auch die koffeinfreie Variante (natürlich ohne Zucker) kann das Risiko für eine Typ-2-Diabetes Erkrankung senken. Und zu guter Letzt: gönnen Sie sich ausreichend Schlaf und Entspannung – auch das gehört zu einem gesunden Lebensstil dazu. [14, 15.] Fall gelöst.

Literaturverweise